Jimdo vs. WordPress – Eine Entscheidungshilfe

Da ich festgestellt habe, das Jimdo aktuell massiv Werbung für Selbstständige fährt und uns offeriert, dass die Erstellung einer Webseite oder gar einen Webshops nicht nur super einfach, sondern auch super preiswert ist, möchte ich Euch gerne eine kleine Entscheidungshilfe zusammen stellen. 

Eines vorweg: Bei der Entscheidung für das eine oder andere System für die Erstellung einer neuen Webseite sollte immer zunächst durch die Frage beantwortet werden, was Du von der Seite erwartest. Also: Wäre Deine neue Webseite ein Mitarbeiter, was genau sollte sie für Dein Unternehmen erarbeiten:

  • Hat die Webseite eher repräsentative Zwecke und muss nicht unbedingt für neue Kunden, Klienten oder Patienten sorgen?
  • Dient die Webseite dazu, neue Kunden oder Mitarbeiter zu gewinnen und soll mit bestimmten Suchworten in Google gut zu finden sein?

Wenn Sie Ihre Webseite lediglich als “Visitenkarte im Web” nutzen wollen, spielt die Suchmaschinenoptimierung keine große Rolle und Sie können getrost eine Jimdo-Webseite erstellen. 

Auf die entscheidenden Unterschiede in Bezug auf Preis, Funktionalität, Ausbaufähigkeit und technischen Support gehe ich gleich näher ein. 

Jimdo

… ist eine Plattform, die auch für Laien sehr einfach zu bedienen ist. Um es einfach auszudrücken: Du schiebst hier lediglich die Bauteile in dem Maße hin und her, um die Webseite zu gestalten, wie es das Jimdo-System gestattet. Im kostengünstigen Bereich ist das eher eingeschränkt, aber trotz allem lässt sich eine mobil optimierte Seite ins Netz stellen, die ein wenig der kostenlosen Google-My-Business-Webseite ähnelt. Wirklich individuelle Ideen lassen sich hier nicht oder nur mit speziellen Vorkenntnissen umsetzen. Das trägt die Konsequenz ins sich, dass Du eine Webseite online stellst, wie es sie vom Design her schon sehr häufig im Web gibt. Wie gesagt: Es kommt immer darauf an, welche vertrieblichen Aufgaben die Webseite erfüllen soll und muss nicht zwingend etwas Schlechtes bedeuten.

WordPress

… bietet aber dafür eine individuelle Gestaltung der Homepage an

Unzählige Designs und Plugins stehen auch kostenlos zur Verfügung, mit denen die Gestaltung einer einzigartigen, auf Dein Unternehmen zugeschnittenen Webseite gelingt. Und das auch ohne tiefgehende Programmierkenntnisse. 

Eine weitere Stärke von WordPress ist, dass es eine sehr SEO-freundliche Plattform ist. Die Bedeutung einer Google-Optimierung liegt auf der Hand, denn je höher die Positionen in den Suchergebnissen sind, desto mehr Menschen besuchen die Seite und können Deine Firma oder Praxis kontaktieren. 

Während Du mit Jimdo Hosting, Website-Vorlagen und Domain-Namen in einem Paket bündeln kannst, muss für WordPress ein Webhosting-Konto – z.B. 1&1 ionos oder Strato – eingerichtet werden. 

Jimdo vs. WordPress

Benutzerfreundlichkeit:

Jimdo erfordert kein Training und ist perfekt für Neulinge, während WordPress eine leichte Lernkurve hat. Glücklicherweise gibt es unzählige Tutorials zum Einrichten und Konfigurieren einer WordPress-Website und eine hilfsbereite Community, mit deren Hilfe schnelle Lösungen gefunden werden kann. 

Design:

Die 16 Jimdo-Vorlagen erfordern keine Vorkenntnisse – Sie können Ihr aktuelles Thema mit wenigen Klicks wechseln. Das Wechseln der Webseite von Jimdo zu einem anderen Anbieter ist nicht möglich. Entscheidet man sich also später für einen anderen Anbieter, um die Webseite für Google zu optimieren, geht das Design und die Inhalte verloren. 

WordPress bietet über 10.000 Designs, wobei das Wechseln des Templates einige Vorkenntnisse erfordert. Ein Wechsel zu einem anderen Hoster und das Herunter- und wieder Hochladen des Designs ist mit dem Plugin All-in-one-Migration ein Kinderspiel. 

SEO:

Wir alle wissen, wie wichtig es ist, von Google richtig positioniert zu werden, wenn ein potentieller Kunde eine Anfrage eintippt, zu dem wir das passende Produkt anbieten. In der Suchmaschinenoptimierung steckt viel Zeit und Arbeit, um einen der heiß erkämpften oberen Plätze in Google einnehmen zu können. In WordPress kannst Du einfach den Anweisungen im SEO-Plugin Yoast folgen, um sowohl Snippet-Vorschau (Der kleine Text in Google unter der Domain), als auch Seitenbeschreibung und Keyword einzutragen. 

Hier lässt Jimdo seine Kunden leider völlig im Regen stehen. Die wichtigsten Optimierungsfunktionen wie z. B. die Möglichkeit, Seitentitel und Seitenbeschreibungen zu bearbeiten,die entsprechenden Keywords einzufügen, und das Schlimmste: die Google-Vorschau zu bearbeiten fehlen schlichtweg.

Zudem “schleppt” ein so vorgefertigtes Design wie Jimdo eine so riesenhafte Menge Code mit sich durch das Internet, dass es Google kaum möglich ist, die relevanten Informationen heraus zu lesen. Dies allerdings ist die Grundvoraussetzung dafür, dass die Suchmaschine eine Seite superschnell einer entsprechenden Anfrage zuordnen und oben zeigen kann.

Preise:

Eine Jimdo-Webseite kann kostenlos erstellt werden, wenn man auf eine eigene www-Adresse verzichten kann und den Seitenbesuchern zumutet, die eingespielte Werbung ansehen zu müssen. Für Hobby-Seiten und Starter im Nebengewerbe kann diese Option nützlich sein. Für eine “ordentliche” Webseite mit Hosting und E-Mail-Fach zahlt man bei Jimdo monatlich zwischen ca. 8 – 20 €.

Eine WordPress-Webseite an sich kann immer auch kostenlos sein, wenn man keines der vielen individuelleren Designs kaufen möchte. Die Domain, die SSL-Verschlüsselung und die E-Mail-Fächer kosten bei den meisten Hostingunternehmen monatlich zwischen 5 – 15 €. 

Webshops:

JimdoPro erlaubt nur wenige Produkte und weist hier tatsächlich einen Mangel an Funktionalität auf. Um alle Shop-Funktionen nutzen zu können, müssen Sie JimdoBusiness für 20 Euro pro Monat kaufen.

Klarer Vorteil für WordPress. Um einen leistungsstarken Online-Shop mit vollem Funktionsumfang zu haben, muss lediglich das kostenlose Woocommerce-Plugin installiert werden. Die Anzahl der Produkte ist nicht begrenzt und die Funktionen kommen einem professionellen Vertrieb mit alle Auswertungen entgegen.

Zusammenfassung:

Ob Jimdo oder WordPress – jede der Systeme funktioniert eben genau in dem Rahmen, für den es vorgesehen ist. Das Gleiche gilt auch für Plattformen wie Wix oder Weebly. WordPress gibt Dir die Freiheit, eine einzigartige Site zu erstellen, die im Laufe der Zeit mitwachsen kann, während Jimdo die Einfachheit bietet, schnell eine einfache Seite online zu stellen. 

Für einen professionellen, effektiven und ergebnisorientierten Internetauftritt erfüllt allerdings nur WordPress (oder ein anderes CMS) die Anforderungen. 

Die Erstellung einer WordPress-Webseite durch einen Webdesigner ist im Gegensatz zu den hand-programmierten Webseiten einer namhaften Agentur nicht teuer. Hier entscheidet einfach, wieviel Zeit man als Unternehmer selbst investieren kann und will, um eine Webseite eigenhändig zu erstellen. Kleine WordPress-Webseiten inkl. Design, Fotos, SEO und den gebotenen DSGVO-Maßnahmen erstelle ich z.B. ab 600 €. Die aufgezählten Leistungen sollten aber mindestens in einem Paket enthalten sein, wo auch immer Du deine Seite erstellen lässt 🙂